Sie sind hier: 

Projektbeschreibung

[Die Sammlung]  [Die Signaturen]

Seit Juli 2008 besteht an der SLUB das DFG-Projekt „Die Instrumentalmusik der Dresdner Hofkapelle zur Zeit der sächsisch-polnischen Union. Erschließung, Digitalisierung und Internetpräsentation.“ Ziel ist die inhaltliche Aufarbeitung des legendären „Schranks II“, in dem das nach dem Siebenjährigen Krieg nicht mehr genutzte instrumentale Repertoire der Dresdner Hofkapelle archiviert worden war. Dazu gehören autographe oder abschriftlich überlieferte Kompositionen von Antonio Vivaldi, Georg Philipp Telemann oder Johann Friedrich Fasch und vieler anderer bedeutender Meister der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die rund 1750 Schrank-II-Manuskripte der SLUB werden zur Zeit gemäß RISM-Richtlinien elektronisch erschlossen. Dabei soll versucht werden, auch unter Berücksichtigung des aktuellen Forschungsstandes, möglichst viele der zahlreichen anonymen Komponisten zu identifizieren und mittels Schreiber- und Papieruntersuchungen Aufschlüsse zur Datierung und ursprünglichen Provenienz der Handschriften zu erlangen. Die Titelaufnahmen in der Datenbank des Repertoire International des Sources Musicales (RISM) bilden zugleich das Metadatenreservoir für die Digitale Kollektion, die hochauflösende Farbscans von allen 50.000 Manuskriptseiten bietet, die über die Präsentationssoftware Goobi im Netz erscheinen.


Die Sammlung

Als glanzvollste Periode der Dresdner Musikhistorie gilt die Zeit der sächsisch-polnischen Union (1697-1763), jene mit der Wahl Augusts des Starken zum König von Polen einsetzende, bis zum Ende des Siebenjährigen Krieges reichende Epoche, die zum Inbegriff der kulturellen Blüte Sachsens wurde. Im Zentrum des Musiklebens stand die Hofkapelle, die unter dem seit 1733 amtierenden Kapellmeister Johann Adolf Hasse (1699 – 1783) und seinem kongenialen, ihr bereits seit 1712 angehörenden Konzertmeister, dem Vivaldi-Schüler Johann Georg Pisendel (1687 – 1755), weltberühmt wurde. Als infolge preußischen Artilleriebeschusses 1760 das höfische Notenarchiv verbrannte, blieben nur diejenigen Musikalien übrig, die an anderer Stelle gelagert oder noch in Gebrauch waren. Zu ihnen gehörten die zahlreichen Instrumentalmusik-Manuskripte mit aufführungspraktischen Einzeichnungen Pisendels und die von ihm selbst angefertigten Partiturabschriften, die zum Teil noch auf seine Italienreise 1716/1717 zurückgehen. Etwa zehn Jahre nach seinem Tod alphabetisch sortiert und minutiös beschriftet im „Schranck No: II.“ abgelegt, fielen die Noten zunächst dem Vergessen anheim. Ungefähr hundert Jahre später wurden sie von dem Hofkapellmeister Julius Rietz (1812-1877) wiederentdeckt. Daraufhin wurden sie von Moritz Fürstenau, dem Kustos der Königlichen Privat-Musikaliensammlung und Flötisten der Hofkapelle, mit neuen Signaturen versehen und in den Bestand der Königlichen Privat-Musikaliensammlung eingearbeitet. Mit deren Übertragung an die Königliche Öffentliche Bibliothek (1896) gingen die Manuskripte an eine Vorgängerinstitution der heutigen SLUB über. Sie wurden in der Musikabteilung archiviert, die sich in der Folge auch durch die Übernahme des nicht mehr genutzten Notenmaterials von Hofkirche und Hofoper zu einer der bedeutendsten historischen Musiksammlungen in Deutschland entwickelte und erhielten die ab 1926 eingeführten, bis heute gültigen dreiteiligen Musikquellen-Signaturen.

Die Signaturen

Die originalen Schrank-II-Signaturen sind auf den Titeletiketten der zum größten Teil noch erhaltenen Kapellarchiv-Umschläge notiert, sie bestehen jeweils aus einer Fach- und einer Lagennummer. Fürstenau ersetzte diese durch eine fortlaufende Nummerierung, die sich von Mus.c.Cx 1 bis 1576 erstreckt. Dadurch konnten auch zu denjenigen Schrank-II-Manuskripten, zu denen kein Titeletikett mehr vorhanden ist, der genaue Standort (Fach und Lage) innerhalb der Schrank-II-Ordnung rekonstruiert werden. Heute tragen die Manuskripte die üblichen dreiteiligen SLUB-Signaturen, die sich aus einer vierstelligen Zahl für den Komponisten (z.B. „2392“ für Telemann), einem Buchstaben für die Gattung (z.B. „O“ für Konzerte) und einer fortlaufenden Nummerierung zusammensetzen. Bsp.: Mus.2392-O-2.

Bei anonym überlieferten Werken steht an Stelle der vierstelligen Zahl eine "2" (z.B.: Mus.2-N-13,2). Dabei ist zu bedenken, dass seit Ende 2009 keine Umsignierungen der Handschriften mehr vorgenommen werden. Auch in Fällen, in denen der Komponist einer anonymen Handschrift ermittelt werden konnte, wird die "anonyme" Signatur beibehalten; ebenso werden bei ermittelten Fehlzuschreibungen keine korrigierenden Signaturänderungen mehr durchgeführt.